„Dahoam is Dahoam“ Am Film-Set zu Hause

 

Moosburg "Dahoam is Dahoam"Texte für ihre Auftritte in der Serie „Dahoam is Dahoam“ zu lernen, fällt der Moosburgerin Nadja Maier nicht schwer.
(Foto: Marco Einfeldt)

Nadja Maier aus Moosburg ist Jung-Schauspielerin in der Fernsehserie. Mit der Zusage für die Rolle hat sich für die Schülerin ein lang gehegter Traum erfüllt

Von Clara Lipkowski, Moosburg – www.sueddeutsche.de – 28. April 2017, 22:09 Uhr

Wenn sie aus der Maske kommt, geschminkt und gekleidet, den Text und die Szene mit dem Regisseur noch einmal durchgeht und die Regie ruft: „Drehfertig machen!“, dann ist Nadja Maier dort, wo sie sein will. „Wenn ich anfange zu spielen, bin ich nicht mehr aufgeregt“, sagt sie und kann ihren Enthusiasmus kaum verbergen: „O Gott, ich freu mich da immer so drauf.“ Sie sitzt am Küchentisch ihrer Eltern, faltet immer wieder ihre Hände vor sich, fast, wie es Politiker bei wichtigen Auftritten tun, und erzählt von ihrer Arbeit, dem Schauspielern.

Die 15-Jährige spielt in der Heimatserie „Dahoam is Dahoam“ mit. Die Serie dreht sich um das Leben der Bewohner im fiktiven bayerischen Dorf Lansing. Nadja spielt Paula, die Freundin von Felix, Sohn des Dorfwirts. Seit 2007 wird die Serie ausgestrahlt, seit 2015 bittet der Bayerische Rundfunk Nadja in loser Folge zum Dreh nach Dachau – natürlich nur am Nachmittag oder in den Ferien, denn Nadja ist Schülerin.

Seither war sie in rund zehn Folgen zu sehen. In Folge 1871 zum Beispiel schwärmt Paula Felix in reinstem Bayerisch von einem „Herzl-Tattoo“ vor. Kurz darauf lässt er sich als Liebesbeweis von einem Freund ein „P“ auf den Oberarm brennen und ist anschließend schockiert über das Ergebnis. Es geht also um die erste Liebe und deren Höhen und Tiefen.

Die Filmbranche interessiere Nadja seit sie etwa vier Jahre als war, erzählt ihre Mutter Simone Maier, die sich mit an den hellen Holztisch im Haus einer Moosburger Neubausiedlung setzt. Sie managt die noch kurze Schauspielkarriere der Gymnasiastin, probt Texte mit ihr, begleitet sie zu jedem Dreh. „Seit ich klein war, habe ich mir bei Filmen immer die Making-ofs angeschaut“, sagt Nadja, „ich wollte immer wissen, wie das ist, wenn die Filme entstehen.“ Mutter Simone Maier ist sichtlich stolz. „Nadja genießt es richtig, wenn sie sich in eine Situation hineinversetzen kann, obwohl viele Personen, zum Beispiel für Kamera und Ton, am Set sind. Ich könnte das nicht, ich wäre da fix und fertig.“ Nadja habe schon immer schauspielern wollen, aber das hatten die Eltern für zu früh gehalten. „Die Filmbranche kann schon ein hartes Geschäft sein“, sagt die Mutter.

Nadja aber insistierte und irgendwann erlaubten die Eltern, es zu versuchen. „Wir wollten ihr den Weg ja auch nicht versperren. Und ich konnte sie mir schon gut in der Schauspielerei vorstellen. Es ist einfach schön zu sehen, dass sie es so liebt.“ Nadja spielt schon länger Theater. Außerdem machte sie lange Showtanz, dreht und schneidet selbst kleine Urlaubsvideos und unterlegt sie mit Musik.

Mit ihrer Mutter suchte sie also eine Agentur, die auch Kinder vermittelt. Das war im Sommer 2015. Mit selbst gedrehten Videos von sich, bewarb sie sich bei einer Agentur in München. Schnell kam die Antwort zurück, sie werde in die Kartei aufgenommen. Üblicherweise geschieht das bei Kindern nur, wenn sie ein Jahr Schauspielunterricht hatten, Dreherfahrung oder in einem Workshop besonderes Talent nachweisen, sagt Jelka Niebling, die die Agentur „Talent Scout Schauspielmanagement“ führt. „Und Nadja“, sagt sie, „ist ein schauspielerisches Naturtalent.“ Da sei die Entscheidung leicht gefallen. Zudem habe sie ein interessantes Gesicht, natürlich und ein bisschen frech.“

Als wenige Monate später der Castingaufruf für „Dahoam is Dahoam“ kam, war klar, dass Nadja sich bewerben würde, das Alter passte, der Charakter, außerdem spricht sie neben Hochdeutsch auch Bayerisch. Wenige Wochen später, noch vor Weihnachten, hatte sie die Rolle. „Das Tolle ist, dass es eine durchgehende Rolle ist“, sagt Nadja. Sie ist also – wenn auch selten – fester Bestandteil der Serie.

Das Textlernen mache ihr keine Probleme, sagt sie, „manchmal lese ich ihn und kann den dann sofort. Mir fällt es leicht, mich in Situationen zu versetzen.“ Und welche Emotionen sind besonders schwer zu spielen? „Traurigkeit und Wut nicht so“, sagt Nadja, „etwas lustig rüberzubringen vielleicht ein bisschen.“ Die Zeit am Film-Set genieße sie sehr, verrät sie, alle seien sehr herzlich und hätten sie freundlich aufgenommen. Sie arbeitet mit wechselnden Regisseuren. Als Vorbereitung müsse sie eigentlich nur den Text lernen, erzählt sie, wie sie Emotionen zeigen, wo sie stehen und ihre Gestik einsetzen soll, das entscheidet alles der Regisseur. „Man sollte sich gar nicht zu sehr vorbereiten, weil die Regie genaue Vorstellungen von der Szene hat“, sagt Nadja, „deswegen gehe ich mit dem jeweiligen Regisseur die Szene noch einmal durch, bevor wir drehen.“

Und wie war es so, sich das erste Mal im Fernsehen zu sehen? Mutter und Tochter schauen sich an und lachen schallend. „Schon komisch“, sagt Nadja. „Am Anfang mochte sie sich gar nicht ansehen. Aber das ist normal“, meint ihre Mutter. Nadja schaut mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester und den Eltern die Serie, erst dann sieht auch sie das fertige Produkt. In der Schule hat es sich längst rumgesprochen, dass sie schauspielert. „Meine Freundinnen finden das schon cool, aber ich rede nicht so viel darüber.“ Sie wolle schließlich bodenständig bleiben, meint Nadja Maier und strahlt über das ganze Gesicht.