„Hindafing“ mit Joel Sansi in der Rolle Amadou

Wie in Bayern die beste deutsche Serie entstand

Von Elmar Krekeler


Foto: NEUESUPER/Günther Reisp

Fegefeuer vor Ingolstadt: „Hindafing“ ist cool. „Hindafing“ ist „Fargo“ ohne Schnee. Eine deutsche Serie mit Weltklasseniveau, versteckt in Bayern 3, erzählt die Apokalypse eines bayerischen Dorfes.

Deutschland, das vergisst der gemeine Metropolenbewohner ja nur allzu gern und lächelt milde darüber, besteht zu neunzig Prozent aus Provinz. Und wenn der gemeine Metropolenbewohner mal da hin fährt, so nach Brandenburg oder ins Sauerland oder in die Vordereifel, da staunt er, ist irritiert, und dann schreibt er Texte in Zeitungen, als wäre er Ethnologe.

Und manchmal wundert er sich, dass es die Briten und die Amerikaner, deren Länder auch zu mindestens Dreivierteln aus Provinz bestehen, schaffen, aus dieser seltsamen Krume die wunderbarsten Fernsehserien keimen zu lassen. „Happy Valley“ zum Beispiel. Oder „Fargo„.

Soviel Gegend in Deutschland, so wenig Geschichten

Böse und wild und zynisch, hart und herrlich. Serien, die mehr erklären übers Land und überhaupt das momentane Menschenwesen als, sagen wir, Texte herumreisender Metropolenbewohner. Und der wiederum grübelt vor allem darüber nach, warum solche Geschichten aus der Gegenwart der deutschen Gegend nicht zu bekommen sind.

Jetzt müssen wir kurz mal aufs Land schalten. Nach Bayern. Da liegt ein Dorf mitten im landschaftlichen Nirgendwo. Da wuchs auf einmal – der bayerische Rundfunk lässt das manchmal zu, wenn er vergisst, dass er ja ein großer deutscher Fernsehtanker ist und deswegen prinzipiell mutlos –, was sonst nur in Yorkshire und im Mittleren Westen wächst.

Wer killt besser im Tal – ein Vergleichstest

Zwischen Ingolstadt und der tschechischen Grenze befinden wir uns. Alles platt um das Kaff herum. Man müsste eigentlich ganz viel Weitsicht haben. Hat man aber nicht. Und das kann nicht am Windpark liegen. Den hat Hindafing – so heißt die ländliche Metropole in der gleichnamigen Serie, der herrlichsten (Provinz-)Serie, die es in diesem Jahr zu sehen gibt – natürlich auch.

Man hält viel auf Nachhaltigkeit und den ganzen anderen Sprechmist, den ehrgeizige Provinzpolitiker gern auffahren, um ihre Modernität zu beweisen und ihre Visionslosigkeit zu verstecken. Er hat aber keine Propeller, der Windpark. Bloß ein Haufen Stümpfe steht herum im Land.

Der Windpark ist eine der großen Rosinen, die Bürgermeister Alfons Zischl (Maximilian Brückner ohne Rücksicht auf Verluste) erst im Kopf hatte und dann in seine Gegend gestreut hat. Aus denen aber, wie das mit Rosinen eben so ist, natürlich nichts wächst.

Im Verlauf der sechs Folgen, in denen man dem zunehmenden Verzappeln des Alfons Zischl in jenen Fäden zusieht, die er sich selbst für sein politisches Fortkommen um die Beine bindet, wird sich noch einiges als fruchtloses Trockenprojekt erweisen.

Aus Nazi-Ruine wird Shoppingtempel

Das „Donauvillage“ des örtlichen Bioschlachters Goldhammer (der herrlichstes Gammelfleisch aus dem Osten unter sein Ökohack mixt), das in einer Nazi-Bauruine eingebaut werden soll, was nicht passiert, weil der Landrat Zischl nötigt Flüchtlingen Unterkunft zu gewähren. Dann soll da noch eine Frackinganlage entstehen mit Hilfe des Chinesen. Huang heißt er.

Eine Autobahnzufahrt müsste gebaut werden. Das wird aber auch nichts. Geht alles schief und schiefer.

Man muss sich die Entstehung von „Hindafing“ übrigens ungefähr so vorstellen: Niklas J. Hoffmann, Boris Kunz und Rafael Parente von der Münchner Filmhochschule hatten eine Idee. Der Bayerische Rundfunk hatte Interesse. Dann wurden sie in einen Writer’s Room gesperrt. Und ein paar Wochen darin mit Kost und Logis vergessen.

Als sie wieder herauskamen, war der Sechsteiler geschrieben, die Produktionsaufgaben verteilt. Es konnte losgehen. So ungefähr. Und sie hatten Narrenfreiheit. Das hoffen wir wenigstens für sie. Das Ergebnis sieht ganz danach aus, als hätte ihr Werk nicht durch sämtliche öffentlich-rechtlichen Mäkelinstanzen gehen müssen.

Und so löst es ein, was um Weihnachten herum das auf hohem Niveau im Klischeesumpf steckengebliebene „Pregau“ nur rudimentär einzulösen in der Lage war. Jene Untergeher-Provinz-Serie des ZDF aus dem Salzburgischen, in der sich Maximilian Brückner als Dorfpolizist Hanns Bucher in der ungefähr gleichen Fargo-Ähnlichkeitsmechanik verfing und von ihm zermalmt wurde wie jetzt als Zischl Alfons. Bloß sind hier die Klischees entschlackter, nackter, böser und lustiger.

Syrer können besser Deutsch als Bayern

Ein schwuler Priester verkracht sich mit Benedikt, womit nicht der Papst, sondern des Priesters geliebter Kollege gemeint ist. Die Flüchtlinge können besser Deutsch als die Bayern und wissen ganz genau, wenn Subventionsbetrug mit ihnen getrieben wird.

Betrogen werden sowieso alle. Eine ungeklärte Vaterschaft verfolgt den Bürgermeister. Der türkischstämmige Polizist namens Erol (!) sitzt in einem Akt der Überintegriertheit mit seinen Kindern in Tracht bei den Kaninchenzüchtern herum.

Die Panamapapers wehen vorbei. Coole Klagelieder hängen über den entsättigten Bildern. Der örtliche Drogenkocher (größter Kunde: Kollege Zischl) wohnt in einem ausrangierten Waggon wie weiland bei Erich Kästner der Nichtraucher. Jedenfalls so lange, bis der in die Luft fliegt.

Der Zischl Alfons sitzt am Ende mitten im See seiner Politik in einem Boot mit mehr Löchern drin, als er Finger hat, was unter anderem daran liegt, dass ihm irgendwann einer abgebissen wird. Und immer wenn er droht, die Linie zu verlieren, zieht er sich eine aus schneeweißem Pulver auf dem Schreibtisch rein. Das muss er ziemlich häufig tun. Was ihn nur noch wahnsinniger macht.

Und dann ist auch noch Wahlkampf. Vielleicht ging alles einstmals damit los, dass Alfons Zischl der Sohn von Alfons Zischl ist, was dazu führt, dass er in seinem Kaff immer der Junior bleiben wird, immer der Kleine, da kann er groß denken, wie er will. Das soll ja vorkommen, ich kenne das.

Sperrt die drei nochmal – mit artgerechter Haltung versteht sich – in den Writer’s Room, wünscht man sich. Vielleicht in Stuttgart. Und lasst sie erst raus, wenn sie einen Zehnteiler fertig haben für den nächsten, neuen Provinz-„Tatort“ aus Württemberg. Auch Fernsehkritiker dürfen ja mal Rosinen im Kopf haben.

„Hindafing“: Bayerischer Rundfunk, dienstags jeweils um 20.15 Uhr

© Axel Springer SE 2017. Alle Rechte vorbehalten

„Nackt. Das Netzt vergisst nie“ mit Aleen Kötter in der Rolle Lara

Tilmann P. Gangloff
Eine ähnliche Geschichte hat Sat 1 vor einigen Jahren schon mal erzählt: In „Online – meine Tochter in Gefahr“ wurden Mutter und Tochter das Opfer perfider Internetattacken. „Nackt. Das Netz vergisst“ ist jedoch näher bei ARD-Tragödien wie „Homevideo“ oder „Das weiße Kaninchen“, in denen Nacktaufnahmen von Jugendlichen im Netz kursieren. Darum geht es auch in dem Sat-1-Film mit Felicitas Woll: Als eine Familie mit Nacktfotos ihrer minderjährigen Tochter erpresst wird, startet die Mutter einen verzweifelten Kampf gegen den Betreiber der Website. „Nackt“, dramaturgisch einfallslos erzählt, erreicht allerdings bei weitem nicht die Intensität der beiden mit dem Grimme-Preis gekrönten ARD-Dramen.
Auf der Website „Fuck my Ex“ tauchen die Nacktfotos auf, die die 16jährige Lara mit dem Smartphone für ihren Freund Basti gemacht hat. Gegen eine Zahlung von 500 Dollar bietet der Betreiber der Seite an, die Bilder zu löschen. Die Eltern zahlen, das Profil verschwindet; bis zum nächsten Tag. Da die Website anscheinend irgendwo in Asien betrieben wird, ist die deutsche Polizei machtlos. In der Hoffnung, einen Hinweis auf die Identität des Urhebers zu bekommen, nimmt Laras Mutter Charlotte (Felicitas Woll) Kontakt zu den anderen deutschen Frauen auf der Seite auf, aber bei allen ist die Scham zunächst größer als die Wut. Als sie schließlich doch Erfolg hat, schlägt die dunkle Seite des Netzes erbarmungslos zurück.


1

Foto: Sat 1 / Arvid Uhlig
Die Familie. Daraus, dass die Mutter etwas wieder gut machen möchte bei ihrer Tochter, entsteht der nächste Konflikt. Martin Gruber, Aleen Kötter, Felicitas Woll

 

Anders als etwa in „Homevideo“ (NDR 2011) wird die Geschichte (Buch: Anne-Marie Keßel) nicht aus Sicht der Tochter erzählt. Hauptfigur ist vielmehr Mutter Charlotte, die sich in einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen Windmühlen stürzt und derart auf ihren Kreuzzug fixiert ist, dass sie völlig vergisst, sich um die traumatisierte Lara zu kümmern; ihre Ehe leidet ebenfalls. Trotzdem sind die Szenen mit Lara ungleich berührender. Beim Spießrutenlauf in der Schule lässt sich – trotz plakativer Inszenierung – gleich zweimal gut nachvollziehen, wie es dem Mädchen ergeht. Die junge Aleen Jana Kötter vermittelt Laras Unbehagen, das sich zur Panik steigert, vorzüglich (und manchmal legt sich ein zarter, zuversichtlicher Glanz in ihre Augen); sie war schon als ältere Tochter in dem Drama „Nur eine Handvoll Leben“ ganz ausgezeichnet. Felicitas Woll und Martin Gruber sind als Eltern überzeugend, als die Welt der Familie noch in Ordnung ist; später klingen die Dialoge nur noch selten lebensnah (vorgetragen). Woll gelingt es zudem nicht, an ihre herausragende Titelrolle in „Die Ungehorsame“, einem erschütternden Sat-1-Drama über Gewalt in der Ehe, anzuknüpfen. Auch die Umsetzung weckt längst nicht so viel Empathie wie die anderen Internetfilme. Das liegt nicht zuletzt auch an der uninspirierten, ewigen Eine-Frau-geht-ihren-Weg-Dramaturgie, die „Problemfilme“ dieser Art über ihr Thema legen und es damit austauschbar machen.


2

Foto: Sat 1 / Arvid Uhlig
In der Schule. So plakativ der Titel, so knallig werden die Reaktionen der Mitschüler in Szene gesetzt. Auch filmisch ist diese Szene mit einem Heer schlechter Statisten eher zum Fremdschämen. „Nackt“ lässt prinzipiell keinen Raum für Zwischentöne.

 

Keßler und Regisseur Jan Martin Scharf erzählen die Geschichte als Rückblende. „Nackt“ beginnt auf dem Tiefpunkt, als Charlotte dem Nervenzusammenbruch nahe ist, mit einem Fleischermesser bewaffnet auf die nächtliche Straße rennt und eine junge Frau aus der Nachbarschaft, die mit ihrem Freund im Auto schmust, fast zu Tode erschreckt. Den Grund für diesen Ausraster verrät der Film über eine Stunde später, als sich der Kreis wieder schließt: Ein Polizeiexperte für Internetkriminalität (Yung Ngo) hatte ihr geraten, auf verdächtige Autos zu achten. Als Charlotte durch die Jalousien nach draußen schaut, sehen die Lamellen wie Gitterstäbe aus. Bei einigen Einstellungen auf der Straße, als sie einen mit dem Smartphone filmenden Passanten attackiert, wirkt die Kamera wie an Wolls Körper befestigt, sodass automatisch eine große Nähe entsteht. Zum Abschluss der Szene steigt die Kamera vertikal in die Höhe; ein Bild, das in der Sprache des Films für den Tod steht. Das ist für lange Zeit das letzte Mal, dass Kameramann Markus Eckert Akzente setzt.

 

3

Foto: Sat 1 / Arvid Uhlig
Der Netz-Kriminalist. Soll das Szenenbild dem Zuschauer sagen, dass das Dezernat Cyber-Kriminalität mehr finanzielle Mittel als juristische Befugnisse besitzt? Wohl nicht. Eher wollte man wenigstens ein Mal optisch klotzen in einem Film, der visuell (außer einer ziemlich sterilen Ausstattung & Lichtsetzung) nicht viel zu bieten hat.

 

Natürlich soll ein derart packender Auftakt die Neugier wecken, aber er hat auch zur Folge, dass die Spannung anschließend wegsackt. Emotional wird es erst wieder, als Charlotte ihre Tochter belehrt, man müsse sich seinen Ängsten stellen; außerdem gebe es in der Schule niemanden, der ihr etwas Böses wolle. In Zeitlupe zeigt Scharf, was Lara nun erlebt: Anfangs gucken alle bloß komisch, dann gibt es die ersten anzüglichen Bemerkungen. Am schlimmsten ist der Verrat von Basti (Niklas Nißl), der nicht etwa zu ihr hält, sondern auf Distanz geht, sodass fast der Eindruck entstehen könnte, er stecke hinter der Aktion. Ohnehin pflegt der Film einen seltsamen Umgang mit den potenziellen Verbündeten: Bei der Polizei unterstellt eine ältliche Beamtin, Lara habe die Fotos selbst ins Netz gestellt. Ähnlich unmotiviert unsympathisch verhält sich eine Hacker-Gruppe, die Charlotte äußerst arrogant abblitzen lässt, als sie die Jugendlichen bittet, die Website stillzulegen. Auch für diese Szenen gilt: Sie sind vor allem dramaturgisch motiviert. Sie sollen die Figuren „runterziehen“, damit die Heldin als eine Art Löwenmutter irgendwann ihren Kampf (anfangs gegen Windmühlen) beginnen kann.

 

4

Foto: Sat 1 / Arvid Uhlig
Die Mitstreiterin. Muslima Amal (Jasmina Al Zihairi) entwickelt sich zur tragischen Figur der Geschichte. Weil das TV-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie“ keine seiner Interaktionen ernsthaft vertieft, keinen inneren Konflikt ausagiert, benötigt der A-Plot Amals B-Plot, damit die Geschichte weitergehen kann. Dramaturgisch steht der Film auf ganz schwachen Füßen. Da kann auch Felicitas Woll nichts retten.

 

Einzige Mitstreiterin ist Amal (Jasmina Al Zihairi), auch sie ein Opfer von „Fuck my Ex“. Dass sich die junge Frau Charlottes Kreuzzug anschließt, ist nicht selbstverständlich, denn sie hat viel mehr zu verlieren als Lara: Sie ist Muslima, ihr Vater ist Imam, ihre Mutter geht davon aus, dass sie eines Tages jungfräulich heiraten wird. Umso unglaubwürdiger wirkt es, dass Charlotte sich nicht um die Verbündete kümmert, als Amal völlig aufgelöst vor ihrer Haustür steht; so wird die Freundin zur tragischen Figur der Geschichte. Ein Geheimnis bleibt, wie es der Heldin als Computeramateurin gelingt, die Adressen der weiteren Opfer (unter anderem Grit Boettcher in einer überraschenden Rolle) herauszufinden. Immerhin verschaffen die Bemühungen des Justizministeriums, Facebook & Co notfalls mit juristischen Mitteln zu größerer sozialer Verantwortung zu zwingen, dem Film eine unverhoffte Aktualität. Angesicht dieser Relevanz und der Ernsthaftigkeit, mit der das Drama die Thematik – obgleich dramaturgisch ungelenk – behandelt, ist der Titel mit seinem plakativen Reizwort „Nackt“ erstaunlich plump. Dazu passt, dass Scharf Laras Nacktfotos unnötig oft zeigt. Sat 1 versichert jedoch, auf den Bildern sei „selbstverständlich nicht“ Aleen Jana Kötter zu sehen. Es handele sich um eine Montage, die auf der Basis von Modelfotos entstanden und so bearbeitet worden sei, dass der Körper keiner reellen Person zugeordnet werden könne.

 

5

Foto: Sat 1 / Arvid Uhlig
Die Betroffenen. Wird der Kreuzzug doch noch gewonnen? Der Zuschauer kann sich allerdings wenig freuen über die Wende. Während über die gesamte 90 Minuten kaum Empathie geweckt wird beim Zuschauer, verkommt selbst eine Szene wie diese zum ausgestellten Knalleffekt. Das passt zu diesem Film, in dem vieles zu laut, zu simpel, zu vorhersehbar, zu vordergründig und dramaturgisch zu abgeschmackt ist.

 

Tilmann P. Gangloff ist seit 1985 freiberuflicher Fernseh- und Filmkritiker für Tageszeitungen und Fachzeitschriften, seit 1990 regelmäßiges Mitglied der Jury für den Grimme-Preis sowie Mitglied diverser anderer Fernsehpreisjurys.

 

„Dahoam is Dahoam“ Am Film-Set zu Hause

 

Moosburg "Dahoam is Dahoam"Texte für ihre Auftritte in der Serie „Dahoam is Dahoam“ zu lernen, fällt der Moosburgerin Nadja Maier nicht schwer.
(Foto: Marco Einfeldt)

Nadja Maier aus Moosburg ist Jung-Schauspielerin in der Fernsehserie. Mit der Zusage für die Rolle hat sich für die Schülerin ein lang gehegter Traum erfüllt

Von Clara Lipkowski, Moosburg – www.sueddeutsche.de – 28. April 2017, 22:09 Uhr

Wenn sie aus der Maske kommt, geschminkt und gekleidet, den Text und die Szene mit dem Regisseur noch einmal durchgeht und die Regie ruft: „Drehfertig machen!“, dann ist Nadja Maier dort, wo sie sein will. „Wenn ich anfange zu spielen, bin ich nicht mehr aufgeregt“, sagt sie und kann ihren Enthusiasmus kaum verbergen: „O Gott, ich freu mich da immer so drauf.“ Sie sitzt am Küchentisch ihrer Eltern, faltet immer wieder ihre Hände vor sich, fast, wie es Politiker bei wichtigen Auftritten tun, und erzählt von ihrer Arbeit, dem Schauspielern.

Die 15-Jährige spielt in der Heimatserie „Dahoam is Dahoam“ mit. Die Serie dreht sich um das Leben der Bewohner im fiktiven bayerischen Dorf Lansing. Nadja spielt Paula, die Freundin von Felix, Sohn des Dorfwirts. Seit 2007 wird die Serie ausgestrahlt, seit 2015 bittet der Bayerische Rundfunk Nadja in loser Folge zum Dreh nach Dachau – natürlich nur am Nachmittag oder in den Ferien, denn Nadja ist Schülerin.

Seither war sie in rund zehn Folgen zu sehen. In Folge 1871 zum Beispiel schwärmt Paula Felix in reinstem Bayerisch von einem „Herzl-Tattoo“ vor. Kurz darauf lässt er sich als Liebesbeweis von einem Freund ein „P“ auf den Oberarm brennen und ist anschließend schockiert über das Ergebnis. Es geht also um die erste Liebe und deren Höhen und Tiefen.

Die Filmbranche interessiere Nadja seit sie etwa vier Jahre als war, erzählt ihre Mutter Simone Maier, die sich mit an den hellen Holztisch im Haus einer Moosburger Neubausiedlung setzt. Sie managt die noch kurze Schauspielkarriere der Gymnasiastin, probt Texte mit ihr, begleitet sie zu jedem Dreh. „Seit ich klein war, habe ich mir bei Filmen immer die Making-ofs angeschaut“, sagt Nadja, „ich wollte immer wissen, wie das ist, wenn die Filme entstehen.“ Mutter Simone Maier ist sichtlich stolz. „Nadja genießt es richtig, wenn sie sich in eine Situation hineinversetzen kann, obwohl viele Personen, zum Beispiel für Kamera und Ton, am Set sind. Ich könnte das nicht, ich wäre da fix und fertig.“ Nadja habe schon immer schauspielern wollen, aber das hatten die Eltern für zu früh gehalten. „Die Filmbranche kann schon ein hartes Geschäft sein“, sagt die Mutter.

Nadja aber insistierte und irgendwann erlaubten die Eltern, es zu versuchen. „Wir wollten ihr den Weg ja auch nicht versperren. Und ich konnte sie mir schon gut in der Schauspielerei vorstellen. Es ist einfach schön zu sehen, dass sie es so liebt.“ Nadja spielt schon länger Theater. Außerdem machte sie lange Showtanz, dreht und schneidet selbst kleine Urlaubsvideos und unterlegt sie mit Musik.

Mit ihrer Mutter suchte sie also eine Agentur, die auch Kinder vermittelt. Das war im Sommer 2015. Mit selbst gedrehten Videos von sich, bewarb sie sich bei einer Agentur in München. Schnell kam die Antwort zurück, sie werde in die Kartei aufgenommen. Üblicherweise geschieht das bei Kindern nur, wenn sie ein Jahr Schauspielunterricht hatten, Dreherfahrung oder in einem Workshop besonderes Talent nachweisen, sagt Jelka Niebling, die die Agentur „Talent Scout Schauspielmanagement“ führt. „Und Nadja“, sagt sie, „ist ein schauspielerisches Naturtalent.“ Da sei die Entscheidung leicht gefallen. Zudem habe sie ein interessantes Gesicht, natürlich und ein bisschen frech.“

Als wenige Monate später der Castingaufruf für „Dahoam is Dahoam“ kam, war klar, dass Nadja sich bewerben würde, das Alter passte, der Charakter, außerdem spricht sie neben Hochdeutsch auch Bayerisch. Wenige Wochen später, noch vor Weihnachten, hatte sie die Rolle. „Das Tolle ist, dass es eine durchgehende Rolle ist“, sagt Nadja. Sie ist also – wenn auch selten – fester Bestandteil der Serie.

Das Textlernen mache ihr keine Probleme, sagt sie, „manchmal lese ich ihn und kann den dann sofort. Mir fällt es leicht, mich in Situationen zu versetzen.“ Und welche Emotionen sind besonders schwer zu spielen? „Traurigkeit und Wut nicht so“, sagt Nadja, „etwas lustig rüberzubringen vielleicht ein bisschen.“ Die Zeit am Film-Set genieße sie sehr, verrät sie, alle seien sehr herzlich und hätten sie freundlich aufgenommen. Sie arbeitet mit wechselnden Regisseuren. Als Vorbereitung müsse sie eigentlich nur den Text lernen, erzählt sie, wie sie Emotionen zeigen, wo sie stehen und ihre Gestik einsetzen soll, das entscheidet alles der Regisseur. „Man sollte sich gar nicht zu sehr vorbereiten, weil die Regie genaue Vorstellungen von der Szene hat“, sagt Nadja, „deswegen gehe ich mit dem jeweiligen Regisseur die Szene noch einmal durch, bevor wir drehen.“

Und wie war es so, sich das erste Mal im Fernsehen zu sehen? Mutter und Tochter schauen sich an und lachen schallend. „Schon komisch“, sagt Nadja. „Am Anfang mochte sie sich gar nicht ansehen. Aber das ist normal“, meint ihre Mutter. Nadja schaut mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester und den Eltern die Serie, erst dann sieht auch sie das fertige Produkt. In der Schule hat es sich längst rumgesprochen, dass sie schauspielert. „Meine Freundinnen finden das schon cool, aber ich rede nicht so viel darüber.“ Sie wolle schließlich bodenständig bleiben, meint Nadja Maier und strahlt über das ganze Gesicht.

 

 

 

Filme | Herzkino – Rosamunde Pilcher: Wie von einem anderen Stern

Seit dem Tod ihrer Eltern kümmert sich Natalie um ihren jüngeren Bruder John, der durch diesen tragischen Verlust auf die schiefe Bahn geraten ist.

Datum: 08.01.2017

"Rosamunde Pilcher: Wie von einem anderen Stern": Natalie (Liza Tzschirner) und Benjamin (Daniel Aichinger) stehen sich Arm in Arm am Strand gegenüber und lächeln in die Kamera.

Sendungsinformationen:
Im TV und auf www.zdf.de im Livestream: ZDF, 08.01.2017, 20:15 – 21:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Als Natalie ihre Arbeit im Supermarkt verliert, weil John dort die Kasse gestohlen hat, will sie sich beruflich komplett verändern. Sie bewirbt sich als Kindermädchen bei der Familie Wilson, die an einem malerischen Ort in Cornwall lebt.

Der Astrophysiker Benjamin Wilson lebt seit dem Tod seiner Frau mit seinen drei Kindern, Gwen, Max und Will zusammen. Da Benjamin sich aber im Universum besser auskennt als im Alltag, unterstützen ihn sein Bruder Paul und dessen Frau Ellen, so gut es geht.

Mit Natalies unkonventioneller Art mischt sie die Familie erst einmal ordentlich auf und das Lachen, der Spaß und die Wärme kehren wieder in das Haus der Wilsons zurück. Auch wenn Gwen, die älteste Tochter, Natalie skeptisch gegenübersteht, wächst Benjamins Zuneigung zu ihr. Ganz zum Missfallen von Ellen, die nicht nur ihre Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung mehr und mehr verliert, sondern auch die Nähe zu Benjamin.

Als plötzlich John auftaucht und seiner Schwester Natalie gegenüber handgreiflich wird, um das Haus auszurauben, sieht Ellen ihre Chance, die unerwünschte Natalie loszuwerden. Gemeinsam mit Gwen gelingt es ihr, dass Natalie mit einer Anzeige des Hauses verwiesen wird. Aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrem Bruder schweigt Natalie und verteidigt sich nicht. Benjamin ist erschüttert. Nun muss er sich entscheiden, worauf er hören wird: die scheinbaren Fakten oder auf sein Herz.

Darsteller

  • Natalie – Liza Tzschirner
  • Benjamin – Daniel Aichinger
  • Ellen – Saskia Valencia
  • Paul – Francis Fulton-Smith
  • John – Béla Gabor Lenz
  • Gwen – Elena Bin
  • Max – Leo Bilicky
  • Will – William Edward-Collins
  • Will – Orlando Edward-Collins
  • und andere –

Stab

  • Regie – Marco Serafini
  • Kamera – Sebastian Wiegärtner
  • Musik – Patrick M. Schmitz
  • Drehbuch – Astrid Ruppert, Nikola Bock

Artikel aus der Goldene Kamera

Drehstart für Cybermobbing-Drama „Nackt“ mit Aleen Kötter in der Rolle Lara

 

Felicitas Woll kämpft als Mutter einer gedemütigten 16-Jährigen für Gerechtigkeit.

In München haben die Dreharbeiten für das TV-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie“ begonnen. Felicitas Woll („Die Ungehorsame“) spielt darin die Mutter der 16-jährigen Lara (Aleen Kötter). Als im Internet ein Nacktbild von Lara mit hässlichen Kommentaren auftaucht und die Familie erpresst wird, will Charlotte (Felicitas Woll) das nicht hinnehmen und nimmt den Kampf gegen den Täter auf. Doch je mehr sie versucht, dem Erpresser das Handwerk zu legen, desto gefährlicher wird die Situation: Der mysteriöse Hacker nimmt Charlottes ganze Familie ins Visier.

„Cybermobbing ist in den letzten Jahren ein ernstzunehmendes, gesellschaftliches Problem geworden, das nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene aller Altersgruppen betrifft“, so SAT.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger. „Was gibt jeder von uns im Internet aus seinem Privatleben preis? Wie gehen wir alle im Netz miteinander um? Das sind Fragen, die uns alle angehen, denn die Folgen von Attacken im Netz können zu erheblichen psychischen Verletzungen und sogar zu Selbstmord führen. Als großer Sender wollen wir mit unserem Programm die Zuschauer auch für Themen wie dieses sensibilisieren.“ Die Regie übernimmt Jan Martin Scharf (Autor von „Club der roten Bänder“), die Dreharbeiten dauern noch bis zum 12. Dezember an.

Seite 1 von 212